„Führung ist eine soziale Einflussnahme zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben“. Diese Eingrenzung der Bedeutung möchte ich vorschlagen, weil sie die wirklich wesentlichen Begriffe enthält, nämlich die Aufgabe und das Soziale. Sinngemäß finden sich ähnliche Definitionen auch in den gängigen Handbüchern, allerdings um etliche Begriffe erweitert, die je nach Autoren stark variieren. Die Kerndefinition der sozialen Einflussnahme im Kontext gemeinsamer Aufgaben ist hingegen fast durchgängig zu finden.*
Wenn wir nun fragen, wer nimmt auf andere Menschen Einfluss damit die gemeinsamen Aufgaben gut erledigt werden, dann sehen wir sogleich, dass Führung in diesem erweiterten Sinne praktisch überall in der Organisation praktiziert wird und zwar in alle Richtungen:
Führung erfolgt top down gegenüber jenen Menschen, die einer Führungskraft unterstellt sind. Führung erfolgt aber auch bottom up, gegenüber Vorgesetzten. Zum Beispiel, wenn die Führungskraft gebeten werden muss, eine Entscheidung zu überdenken oder zu modifizieren, weil sie zu unerwünschten Folgen führt. Oder wenn eine Führungskraft um eine Intervention gebeten werden muss, die den Mitarbeitenden nicht möglich ist. In diesen und vielen anderen Fällen liegt es durchaus im Interesse von Vorgesetzten, dass Einfluss auf sie genommen wird.

Und vielleicht am meisten Einfluss wird auf Menschen und von Menschen genommen, mit denen wir im Alltag zusammenarbeiten und die uns weder unterstellt noch überstellt sind. Dabei handelt es sich um die gegenseitige Einflussnahme im Arbeitsprozess, in dem meist Menschen verschiedener Abteilungen und Hierarchiestufen miteinander interagieren. Diese Form der Einflussnahme wird manchmal auch als „laterales Führen“ bezeichnet, oder als „Führen ohne Vorgesetztenfunktion“. Zu diesem gehört auch die Einflussnahme auf Personen die außerhalb der Organisation stehen, also auf Kunden, Lieferanten oder Behörden. Auch die „agile Selbstführung“, die in den letzten Jähren populär wurde, ist eine Form dieser gegenseitigen Einflussnahme, die arbeitsteilige Zusammenarbeit einfach verlangt.
Da Führung also praktisch von allen Menschen in einer Organisation ausgeübt wird, richten sich diese Ausführungen zur Wertschätzenden Konfrontation auch nicht nur an Führungskräfte, sondern an alle verantwortlichen Menschen, die Ihre Zusammenarbeit verbessern wollen.
Anmerkung:
*„Führung – verstanden als zielorientierte Einflußnahme auf Menschen – wird in Organisationen durch Strukturen (Führungssubstitute) und Personen (Vorgesetzte) ausgeübt.“ Lutz von Rosenstil im Kapitel „Führung“ in: Schuler, Heinz (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie (2014). – „Führung ist die zielgerichtete Beeinflussung des Erlebens und des Verhaltens von Einzelpersonen und von Gruppen innerhalb von Organisationen.“ Becker, Florian: „Führung: Definition und Merkmale, in http://www.wgps.de (Wirtschaftspsychologische Gesellschaft). – „Führung ist eine durch Interaktion vermittelte Ausrichtung des Handelns von Individuen und Gruppen auf die Verwirklichung vorgegebener Ziele.“ Gablers Wirtschaftslexikon.
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