Worum gehts? (WK 0)

Konfrontation ist ein negativ besetzter Begriff, und doch verdanken wir der Konfrontation letztlich die gesamten Errungenschaften unserer Zivilisation. Jeglicher Fortschritt, sei es in der Technik, in der Politik oder in der Wissenschaft, verdanken wir den Menschen, die mit dem Vorgefundenen nicht zufrieden waren und diesem ein Besseres entgegenstellten. Wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Durchbrüche, aber auch Demokratie, Gewaltenteilung und Meinungs­freiheit sind durch Konfrontationen erstritten. Unseren heutigen Wohlstand und unser heutiges Wissen verdanken wir jenen Menschen, die auch dann, wenn es unbequem für sie war, deutlich ihre Überzeugung ausdrückten.

Genau das ist auch die Aufgabe von Führung, das Wort zu erheben und eine Spannung zu erzeugen zwischen dem was ist und dem was sein kann.

Allerdings müssen wir die andere Seite auch sehen. Bei jeder Konfrontation sind andere Menschen betroffen, mit ihren Bedürfnissen und Empfindlichkeiten. Der andere Mensch erschrickt im Normalfall und fühlt sich unwohl, wenn sich jemand erlaubt eine solche Spannung zu erzeugen, einen unbequemen Anspruch zu erheben, auf einen Mangel oder eine Unterlassung hinzuweisen. Wir lieben solche Situationen nicht, wenn wir auf der anderen Seite stehen.

Wir sind nur bereit uns einer solchen Spannung zu stellen, wenn wir dabei unseren Selbstwert nicht verlieren, was von inneren und äußeren Bedingungen abhängt. Wer führen will, kann und muss auch dazu etwas beitragen. Nicht der Mensch sollte deshalb konfrontiert werden, sondern manche seiner Urteile, Annahmen und Handlungen – zugunsten von richtigeren, besseren, hilfreicheren.

Und deshalb brauchen wir nicht nur den Mut zur Konfrontation, sondern zugleich auch die Wertschätzung gegenüber den Menschen, wenn wir etwas bewegen wollen. Den anderen Menschen als Menschen zu achten, während wir seine Hypothesen und Handlungen in Frage stellen, ist die größte Herausforderung in der Zusammenarbeit. Erst die gelungene Kombination von Wertschätzung und Konfrontation macht das Führen wirksam.

Eine Klärung vorweg zum Unterschied von Führung, Selbstführung und informeller Einflussnahme. Üblicherweise verstehen wir unter Führung eine top down Einflussnahme durch Menschen, die durch ihre Rolle dazu legitimiert sind. In Wirklichkeit beeinflussen wir uns aber ständig gegenseitig, und zwar in alle Richtungen, top down, bottom up und lateral. Und zwar auch ohne eine Führungsrolle. Der Großteil aller Einflussnahmen findet informell statt, durch verantwortliche Menschen. Die Thesen, die hier geäußert werden, gelten also für Führungskräfte im engeren Sinne und gleichermaßen für jeden anderen verantwortlichen Menschen, der Einfluss nehmen will.


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Herbert Salzmann

Geb. 1959 in Vorarlberg, Lehre als Vermessungstechniker, 7 Jahre Techniker, daneben Abendgymnasium. Geistes- und sozialwissenschaftliche Studien in Innsbruck und Freiburg. Ab 1990 Ausbildung in Organisationsentwicklung und Managementtraining durch Jack F.Moens / NPI Holland. Selbständige Beratungserfahrung seit 1990, von 2012 -2024 Gesellschafter der Trigon Entwicklungsberatung. Diverse Weiterbildungen in OE, Coaching und Wirtschaftsmediation. Lehraufträge an der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: Führungsseminare, Führungscoaching und Transformation von Führungskulturen. Organisationsentwicklung und Begleitung von Lernenden Organisationen. Diverse Veröffentlichungen und Vorträge.