Wer ist der früheste progressive Managementdenker?

Managementdenker gibt es nicht so viele, die lesenswert sind: Max Weber, Henry Mintzberg und Peter Drucker fallen mir ein. Der inspirierendste Managementdenker für mich ist aber eine Managementdenkerin: Mary Parker Follett 1868-1933. Zu Lebzeiten erstaunlich einflussreich als Gegenposition zu Taylors Scientific Management, dann vergessen, heute langsam wieder ausgegraben.

Management als Kunst: „Management ist die Kunst mit anderen zusammen Dinge zu erledigen.“ Nicht eine Technik, nicht eine Wissenschaft, eine Kunst.

„Power with“ statt „Power over“. Sie erkannte, dass fähige Menschen mit den Menschen gehen. Nicht voraus, nicht gegen, sondern mit. „Legitimate authority flows from coordination, not coordination from authority.“ „We get power through effective relations.“

„The law of the situation“: „One person should not give orders to another person, but both should agree to take their orders from the situation.“

„Integration statt Dominanz und Kompromiss“. Konflikte sind unvermeidlich und wertvoll, wenn richtig gehandhabt. „As conflict – difference – is here in this world, as we cannot avoid it, we should use it. Instead of condemning it, we should set it to work for us.“ Dominanz und Kompromiss sind defizitäre Lösungen. Integration heisst tiefer schürfen, besser verstehen, kreativ werden. Wurde später vom Harvard Konzept aufgegriffen.

Prozessdenken: „Business unifying must be understood as a process, not a product. We have to become process-conscious.“

Purpose, Führen mit Zielen: „The best executives put this common purpose clearly before their group. … And then the common purpose becomes the leader.“

Taylor sah 1911 den Arbeiter als ausführendes Organ – Denken ist Sache des Managements. Die optimale Arbeitsmethode wird wissenschaftlich ermittelt und von oben vorgegeben. Kontrolle ersetzt Vertrauen.

Follett kehrte ab 1919 nahezu jeden dieser Punkte um: Der Arbeiter ist ein denkendes, soziales Wesen mit eigenem Urteilsvermögen. Koordination entsteht durch direkte Kommunikation und ein gemeinsames Situationsverständnis. Autorität folgt der Kompetenz, nicht der Position. Kontrolle ist nicht Überwachung, sondern gemeinsames Lernen aus einer Situation.

Literatur:

Heon, Davis e.a.: „The essential Mary Parker Follett – Ideas we need today“ 2017

Mary Parker-Follett „Dynamic Administration – The collected Papers of MPF“ 2013 (1941 posthum).

(Zitat im Bild übersetzt von HS)


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Herbert Salzmann

Geb. 1959 in Vorarlberg, Lehre als Vermessungstechniker, 7 Jahre Techniker, daneben Abendgymnasium. Geistes- und sozialwissenschaftliche Studien in Innsbruck und Freiburg. Ab 1990 Ausbildung in Organisationsentwicklung und Managementtraining durch Jack F.Moens / NPI Holland. Selbständige Beratungserfahrung seit 1990, von 2012 -2024 Gesellschafter der Trigon Entwicklungsberatung. Diverse Weiterbildungen in OE, Coaching und Wirtschaftsmediation. Lehraufträge an der Universität Innsbruck. Arbeitsschwerpunkte: Führungsseminare, Führungscoaching und Transformation von Führungskulturen. Organisationsentwicklung und Begleitung von Lernenden Organisationen. Diverse Veröffentlichungen und Vorträge.